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Marathon des Sables - 237km in 6 Etappen - Sahara

8.-19. April 2004

"Drink a lot, piss a lot, take salt-tablets and everything will be ok!" (Doc Trotters)

3. Etappe: 37 km LAC IRIQUI / DAYET CHEGAGA

(Dünen-Etappe)

[ 581 competitors, 40° degrees, 9% humidity ]

Meine Angstetappe. Nach dem morgentlichen Brimborium laufen Mario, Andi, Kurt und ich recht flott bis CP2 durch. Danach geht es mit 3L Wasser in die Dünen - 22km. Es ist wie an der Nordsee: 3 Schritte vor, 2 zurück. Wie auf Sylt, nur breiter. Die Kameramänner gehen nur wenige 100 Meter mit hinein und tauchen gegen Ende auf den letzten 100 Metern von der Gegenseite aus wieder auf. Sobald eine Kamera surrt keuchen die Engländer vor uns in die Linse, gehen in kleinen Schritten wie auf einem Achttausender und klagen was das Zeug hält. British TV. So werden Helden gebacken!

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Mit der Zeit lernt man die Dünen zu "lesen", der Wind verdichtet die Oberfläche an einigen Seiten worauf es sich leichter gehen lässt, und abseits der Route sacke ich nicht so tief ein. Stellenweise ist es bergauf wie auf einer dünnen Eisschicht - gaaanz vorsichtig und sachte die Füße aufsetzen, wenn möglich flach und platt und trotzdem rasch, hinauf bis zum Kamm. Die Sohle soll sich ganz breit machen und das Gewicht nirgends auf einen Punkt bringen - gleichmäßiges Tempo, nicht beschleunigen, nie abbremsen. Bis auf die letzten 4-5 Schritte klappt das gut, dann sacke ich ein. Andere versuchen ihr Glück indem sie in genau dieselben Fußstapfen treten, wie ihre Vorläufer in der Hoffnung darunter sei der Sand bereits fest.

MdS2004

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Bergab ist wie als wenn ich Gleitschuh' fahre. Ab einer bestimmten Schrittlänge "bricht das Eis" jedoch unter mir - man sackt ein und muss schnell auf das jeweils andere Bein wechseln. Immer fliegt der aufgewirbelte Sand in die eigenen Hacken, aber die Stulpen erfüllen ihren Zweck. Dicht und trotzdem atmungsaktiv - die ausgiebige Vorbereitung zahlt sich jetzt aus. Im Dünental angekommen kann der Boden so hart sein, dass es mit dem Schwung der Talfahrt tüchtig in Knie und Becken stößt. Dann folgt der nächste Sandhaufen. Und noch einer. Und noch einer. Und...

Bis CP3 sind es 12km Luftlinie, real wahrscheinlich 14-15km weil wir um einige Sandberge herumlaufen. Immer größer und steiler werden sie. Zum Glück ist es den halben Tag bewölkt, trotzdem bekomme ich Kopfschmerzen von der Hitze. Abwechselnd geben wir das Tempo vor, mal spalten wir uns in 2er Gruppen auf, treffen wenige Dünen später wieder zusammen, trinken und essen regelmäßig. Irgendwann sind Kurt und ich alleine, wir haben die anderen Beiden aus den Augen verloren. Man benötigt nur ein Berg/Tal-Abstand Vorsprung und schon sieht man sie nicht mehr, auch wenn sie Luftlinie vielleicht nur 100 Meter hinter dir sind. Kurt kann nicht nur navigieren, er versucht auch aus dem wenigen Gestrüpp, das hier wächst, so etwas wie eine Täler-Route zu finden, die weniger Höhenmeter bedeuten würde.

MdS2004

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Mittendrin muss Kurt verschnaufen und setzt sich auf einen Dünenkamm. Ich bleibe lieber stehen, mit Rucksack komme ich so schlecht wieder hoch. Plötzlich - hastdunichtgesehen - kreist der Helikopter über uns und die Besatzung deutet an, ich möge die Lage klären. Ich zeige das internationale Zeichen für Lügen (Daumen hoch - es geht uns prima ;-) und die Mannschaft winkt und dreht ab. Wenn ich bei uns im Dorf mal auf dem Gehweg umkippen würde - ich bliebe wahrscheinlich Stunden liegen ohne dass es jemand bemerkt. Die Strecke ist sicher - zu jedem Zeitpunkt - keine Frage!

Nach 6:30h (davon 3:30h in den Dünen) erreichen wir CP3. Patrick Bauer, der Leiter der Veranstaltung reicht mir die Wasserflasche, macht irgendeinen Witz den ich (sprachlich) nicht verstehe und klatscht ein. Der Mann muss Doppelgänger haben. Vorhin noch stand er mitten in den Sandbergen und hielt eine Infusion, während einer der Doc Trotters sich um einen am Boden liegenden Läufer kümmerte. Patrick ist immer überall und ein Pfundskerl - so scheint es. Seine gute Laune schwappt zu mir über.

MdS2004

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Wenige Minuten später treffen Andi und Mario ein. Noch 7km Dünen und 3km Buschwerk. Wir freuen uns auf unser Travellunch heute Abend. Weiter geht’s. Etwas Wind kommt auf und fegt an jedem Dünenkamm eine Hand voll Sand ins Gesicht, fix den Buff als Maske über Nase, Mund und Ohren ziehen - so muss das MdS-Logo entstanden sein. Mitten in den letzten Ausläufern dieses Sandmeeres zweifele ich an meinem Verstand: Da steht ein Dromedar! Hitzeschlag? Sonnenstich? Nee, das Tier ist sogar gesattelt, und da hinten sind noch mehr, und mitten im Nichts einige Berberzelte...

Unsere Zeltstadt taucht am Horizont auf - Biwak4. Nach 45min sind wir schließlich auch dort. Die letzten KM schweigend, aber allesamt froh, dass dies hinter uns liegt. Benötigte Zeit 8:30h! Morgen noch den 76er, dann telefoniere ich doch mal nach Hause. Essen, Blasen versorgen, Essen, Bett.

Nachtrag: Ein paar Engländer hatten ein GPS mit. Sie sind 47km statt 37km gelaufen. Angeblich sind heute mehr als 20 ausgestiegen.

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4. Etappe

Jens beim MdS

Team Ronja present

TorTour de Ruhr - längstern Nonstoplauf Deutschlands.

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