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Jungfrau-Marathon (+1823HM/-296HM)

11. September 2004

"Oohhaaahhhhhh...mmmmmmmhh..." (Jeder, der die heissen Duschen betritt.)


Wo gibt es immer heisse Duschen im Ziel? Wo gibt es Finisher-Shirts mit denen man ab und zu noch Eindruck schinden kann? Wo sind Verpflegung und Stimmung so richtig umwerfend? Wo wird man von Kuhglocken halb taub? Wo ist steil noch so richtig steil? Wo ist ein Dudelsackspieler auf einem Berggipfel kein Zeichen für den bevorstehenden Zusammenbruch, sondern der erlösende Hinweis kurz vor dem Ziel zu sein? - Richtig, in der Schweiz beim Jungfrau-Marathon!

Neuauflage des Klassikers. Mein erster Marathon den ich *ausnahmsweise* ein zweites Mal mache.

Das wir Rudi zum Jungfrau-Marathon begleiten war klar, und wenn man schonmal da ist, kann man ja gleich mitlaufen ;-) Also treten wir kurz nach 8:00 Uhr, 1/2 Stunde vor dem Start, in kurzen Laufklamotten vor das Hotel und ... stehen im Regen. Mist! Was soll der ganze Aufwand, wenn da oben keine Sicht ist? Hatte der Hotelier mit seiner Schweizer-Bank-Vertrauenswürdigkeits-Mine nicht eben noch gesagt, es bleibt trocken? Kappe auf und los. Am Start treffe ich Andi, mit dem ich im April beim Marathon des Sables in der Sahara gelaufen bin. Wiedersehensfreude! Wir beschliessen kurzfristig gemeinsam zu dritt in 5:30 min/km bis zum Halbmarathon in Lauterbrunnen zu laufen und uns dann vor dem Aufstieg nach Wengen zu trennen - jeder wie er kann.


Besprechung der Taktik


Aussicht, Poser


Lauter Läufer.

Kanonenböller als Startsignal, letzte Fotos im Startblock, und dann geht's als gemütliche Kaffeklatsch-Runde nochmal durch Interlaken, nach Böningen, Wilderswill, und über Zweilütschinen nach Lauterbrunnen (Halbmarathon). Bis dahin haben wir knapp 2 Stunden Zeit und Rudi muss sich die vielen aufgewärmten Klassiker aus der Wüste anhören: Nataschas Hochbein-Grill, Marios Kommentare wie der Kurt als Chirurg nach dem MdS operiert (ohne Narkose, dafür mit Sand zum desinfizieren) , der Kommentar der Ärztin zu meinen Blasen ("your blisters look beautiful") etc... . Natürlich werden Pläne für 2005 geschmiedet: Andi will nach Reunion, Rudi zum Swiss Alpine und ich zum Deutschlandlauf.

Wie im Flug vergeht die Zeit, der Regen hat kurz nach dem Start aufgehört und der Himmel stellt um auf blau. Nur ab und zu werden unsere Gespräche von Volksfesten in den einzelnen Ortschaften und lautstarkem Kuhglockengeläute unterbrochen. Phantastische Stimmung. Unterwegs überhole ich Eric, den fliegenden *Nieder*länder, der heute zum 10. Mal (!) dabei ist. Leider hat er seit dem Swiss Jura Probleme mit seiner Ferse, kann nicht so laufen wie er möchte, aber finishen will er in jedem Fall. Hut ab! "Man sieht sich im Ziel."

Rudi hat Respekt vor den Steigungen, die da noch kommen mögen, aber er ist informiert und vorbereitet. Ich kann es kaum abwarten, dass es bald aufwärts geht. Hinter der Schleife durch Lauterbrunnen (KM 26) wird das Fest beginnen, an soviel kann ich mich noch erinnern. Aber das Höhenprofil auswendig gelernt, wie vor zwei Jahren, habe ich nicht mehr. Manchmal beobachten wir Läufer. Sie sehen nun bei KM 20 schon so fertig aus und müssen auch bei kleineren Anstiegen schon gehen - ob die wissen was da gleich noch kommt?

In Lauterbrunnen warten die Frauen auf uns, machen Fotos und fahren weiter zur Kleinen Scheidegg, dem Ziel. Zum Spass machen wir an den Zeitmesspunkten noch den ein oder anderen "Tigersprung" (oder wie nennt man das mit dem "Brust raus" an der Lichtschranke?), greifen an den Verpflegungsständen nochmal kräftig zu und verabschieden uns voneinander. Der Berg ruft!


Einer Läuft rückwärts.


Aufstieg nach Wengen, Kleine Scheidegg mit Blick auf die Eiger Nordwand.


Ein-Mann-Kapelle.

Es ist kurz nach 2:30h als es in kleinen Serpentinen hinauf geht nach Wengen. Trippel-Laufschritt oder gehen. Die Läuferschlange quält sich 3-4 Mann breit den Berg hoch, so muss ich zum überholen im Slalom um die anderen Teilnehmer. Kein Problem, denn der Weg ist streckenweise so steil, dass ich auch nur in Schlangenlinien darauf hochtänzeln kann. Zwischendurch esse ich Gel (bähh) und so eine Art Traubenzucker mit Bananengeschmack, umhüllt von weisser Schokolade (ekelhaft). Meine Geschmacksnerven leisten Schwerstarbeit. 3:07h in Wengen, gut 32-35 min für 4km - guter Schnitt für 480 Höhenmeter. So einen Berg bräuchten wir in Hohenlimburg ;-)

Wengen selbst ist die Schweizer Ausgabe des legendären, französischen "Tour de France"-Etappenortes Alp d' Huez. Was hier abgeht ist unbeschreiblich. Musik, Kuhglocken bis zur Schmerzgrenze laut, und Zuschauer in 3er/4er-Reihen, so dass nur noch ein schmaler Weg zum laufen frei bleibt. Gut, dass ich keinen Pulsgurt umhabe - bei dem Ausreisser hätte ich mich nach einer Störquelle umgeschaut.


Das Ziel.


Postkartenwetter, Postkartenlaune.


Nachlese.

Danach werden es nochmal 1:45h bis zur Kleinen Scheidegg. Schon fast vergessen habe ich, wie man dem Berg jeden einzelnen Kilometer abringen muss. 32,750km, 33km, 33.250km ... ja die Anzeigetafeln stehen im kürzeren Abstand als beim Städtemarathon, und das zurecht. Laufen wo es geht, tänzeln wo es nicht mehr läuft. Durch Wälder, vorbei an Wiesen, den Blick auf die Viertausender - ahh, es war doch richtig her zu kommen! Und irgendwann kommt dann der letzte Becher klare Boulion vor der Morräne. Treppensteigen bis zum Dudelsackspieler (Ok, bis dahin gab's auch eine Reihe von Alphornbläsern, aber die erwartet man ja quasi hier oben!), und dann die letzten Meter leicht wellig bis ins Ziel. [4:54h, 22min weniger als 2002]

Ob wir wieder kommen? Bestimmt! Allein die Duschen sind es wert ;-)


Mehr-als-Ein-Mann-Kapelle.


Jens+Rudi+Andi.


Julia sieht "rot".


Team Ronja - von der Zahnradbahnfahrt erschöpft.

[siehe auch Bericht 8. September 2002]

Team Ronja present

TorTour de Ruhr - längstern Nonstoplauf Deutschlands.

Most Wanted

Siehe auch

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